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Geld gemeinsam gestalten - mit Georg Tarne

Georg Tarne
Dienstag, 6. Februar 2024

Geld gemeinsam gestalten - mit Georg Tarne

Georg ist Sozialunternehmer und Kulturentwickler. Zusammen mit einem Freund hat er 2012 in Wien das Sozialunternehmen soulbottles gegründet, das mit schicken, plastikfreien Trinkflaschen zum Leitungswasser trinken verleitet und schon über 1,5 Mio. Euro für Trinkwasserprojekte in Nepal und Sambia gesammelt hat. 2018, als das Unternehmen auch ohne ihn gut lief, hat er soulbottles verlassen und sich auf Organisationsentwicklung verlegt. Seit 2019 gibt er als Berater und Online-Kurs-Autor bei dwarfs and Giants seine Erfahrungen mit unterschiedlichen New Work Ansätzen wie Holacracy oder Gewaltfreier Kommunikation am Arbeitsplatz an andere Unternehmen weiter. Erste Gehversuche dieser Arbeit fanden schon in der Gründungsphase der Genossenschaft für Gemeinwohl statt, als er 2011 Workshops zum Systemischen Konsensieren mitmoderierte.

 

Was bedeutet Geld für dich?

 

Geld ist für mich unsere soziale Übereinkunft darüber, wie wir als Menschen Ressourcen verteilen. Auf die reine Funktion reduziert: Ressourcen-Nutzungs-Gutscheine. Das heißt für mich, dass ich einerseits auf der individuellen Ebene versuche, mit meinen Gutscheinen verantwortungsvoll umzugehen, um unsere gemeinsamen Ressourcen nicht allzu sehr zu belasten. Ich versuche aber auch, daran mitzuwirken, dass unsere soziale Übereinkunft darüber, wie Geld verwendet wird und wie wir überhaupt unsere Ressourcen verteilen, stärker zum Wohle aller ausgerichtet ist.

 

Was bedeutet Gemeinwohl für dich?

 

Die Orientierung zum Gemeinwohl übersetze ich für mich: Wie schaffen wir es, mit den Ressourcen, die wir als Menschheit haben, politische, gesellschaftliche und organisationale Strukturen zu bauen, die möglichst viele Bedürfnisse aller Menschen erfüllen?

Das ist für mich kein abstraktes Ideal, sondern hoch emotional aufgeladen: Auf eine gewisse Weise ist mein Bedürfnis nach Wasser und Nahrung nicht wirklich erfüllt, wenn das Bedürfnis nach Wasser und Nahrung aller Menschen nicht erfüllt erst. Mein Bedürfnis nach Verbindung, Gemeinschaft und emotionaler Sicherheit ist erst dann voll erfüllt, wenn ich weiß, dass alle Menschen die Verbindung, Gemeinschaft und emotionale Sicherheit haben, die sie sich wünschen.

Auch wenn es immer wieder sehr schmerzhaft ist, sich vor Augen zu führen, wie viele Bedürfnisse auf der Welt unerfüllt sind, gibt mir gerade die Wut und die Trauer  darüber, immer wieder Kraft und klare Ausrichtung für meine Arbeit.

 

Dürfen wir etwas mehr über dich erfahren, und warum du dich mit der Genossenschaft für Gemeinwohl für einen Wandel im Geld- und Finanzsystem engagierst?

 

Als ich aus Deutschland wieder nach Österreich gezogen bin, musste ich mit Erschrecken feststellen, dass es in Österreich keine wirklich grünen bzw. gemeinwohlorientierten Banken gibt. Immerhin gibt's die GfG und das Gemeinwohlkonto: Hoffentlich entsteht mittelfristig auch eine von Grund auf ethische Bank in Österreich.